Na?

Oblomow, Donnerstag, 29. März 2018, 05:02 (vor 179 Tagen) @ alex

Na!
Was sind das denn für unchristliche Gedanken?

Wir Alle brauchen einwenig mehr Sonne in den Herzen,

was natürlich angesichts der derzeitigen Großwetterlage schwer herstellbar sein dürfte.

Zaghafter Versuch der Aufmunterung: https://www.youtube.com/watch?v=lZqiHMEZgUw


Auch die Microlage ist eher beschissen, Schneefall in den östlichen Bezirken Börlinns, im Westen Nieselregen.

Gefühlte Temperatur minus fünf Grad. Nasskalt, wie die politische Lage und die Tendenzen der gesellschaftlichen

Entwicklung. Erst nur überrascht, dann stellte sich die Angst ein, wie schnell sie doch bereitwillig jubelten und dabei

völlig unfähig waren, einen klaren, rationalen Gedanken zu fassen. Der Zeitgeist war auf Reisen, das Ziel war klar

und kaum vernebelt: Wir Alle wollen zu den Gutherzigen gehören.

Es brauchte keine Gleichschaltung der Pressemedien, und es bedurfte keines Ermächtigungsgesetzes, das dem Kanzler

größere Handlungsspielräume gab und die Opposition im Parlament mit Maulkörben versah.

Der Zeitgeist war in seinem Vorangehen nicht aufzuhalten.

Erst jetzt verstehe ich das Mitgerissenwerden, die Emotionalität, die nur eine Richtung mit der Überzeugung: "Wir, die

Guten!" kennt.

Und alle, die ein öffentliches Gewicht hätten gegen die gute Sache einbringen können, hielten die Klappe.

Die meisten trauten sich nicht einmal im Dialog mit Bekannten ihre Meinung preis zu geben.

Das Phänomen der späten 1920er und frühen 1930er Jahre wird leichter verstehbar. Das sich Mitreißen-Lassen.

Einerlei, ob die Massen für das Gute oder das Gegenteil zu Felde zieht, die Mechanismen sind nahezu deckungsgleich,

wenn die Propaganda "funktioniert", indem sie Fakten und Meinungen und Bilder zu einer passenden Melange rührt.

Später wird man sagen: Es war ein Durchmarsch. Und andere - humane - Konzepte konnte keiner vorlegen.

Das Versagen einer Diskussion, auch im Wahlkampf, war einer Demokratie unwürdig. Und auch nur möglich, weil die

Gegnerschaft, die Masse schwieg, in die innere Emigration ging und so überrollt werden konnte.

Ich bin alt. Und so verwundert es nicht, dass ich nicht mehr alles verstehen kann.

Dem Winston Smith wurde gesagt: "Manchmal, Winston, ist 2 x 2 = 5, manchmal 3. Aber ganz selten auch mal 4!

Winston war Mitarbeiter im Wahrheitsministerium und mit der Aufgabe befasst, alte Zeitungsartikel zu "aktualisieren",

damit sie mit der aktuellen "Realität" ( oder das, was man aktuell unter dieser Realität verstand ) in übereinstimmt. { 1984 }


Sorry, wenn ich aus der östlichen Ferne Unkenrufe Euch sende. Gerne hätte ich positives berichtet .....

........

Beim nächtlichen Spaziergang mit dem alten Kumpel Henri Feldmann ging uns nicht die sensibel im aktuellen Spiegel

geschriebene Story: "Tod in Berlin", aus dem Sinn:

https://magazin.spiegel.de/SP/2018/12/156334576/index.html

Dem Autor ( der Name fällt mir im Moment nicht ein, bin mir aber sicher, er fängt mit "O" an ) gelingt, den

Leser zu fesseln, indem er nahezu unmerklich Empathiegefühle weckt. In anderen Geschichten ist sein Narrativ fast immer

eine allzu naive Sichtweise, die als Masche erkennbar, ihn in der Beobachtung staunen und erzählen läßt. So ein bißchen

wie der Papalangui unserer Kindheit. Jedenfalls fand ich die anderen Geschichten aufgesetzt, belanglos, langweilig.

Diese jedoch ist eines kleinen Literaturpreises würdig. Bravo, Herr O.!

Viele herzliche Grüße von Henri Feldmann und mir aus dem kalten Berlin.

Yours
Oblomow
,


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