Speech for free

NN, Donnerstag, 26. Oktober 2017, 13:20 (vor 29 Tagen) @ Divara
bearbeitet von NN, Donnerstag, 26. Oktober 2017, 13:50

Jetzt wird es so peinlich, dass ich mich doch bemüßigt fühle, Stellung zu beziehen.
Wenn eine Männerrunde über den Hintern von Sawsan Chebli und einen hässlichen Mann im fernen Amerika kalauert, dann sind ein paar Worte fällig.


Mit allen Weinsteins der Welt könnte man wohl eine Riesenarmee aufstellen, ich bin sicher, dass auch meine Stadt ein beachtliches Kontingent stellen könnte. Aber wie bei Soros wird nur angedeutet, worum es geht – das ist das neue Konzept.
Und Sawsan Chebli darf gern jede Party zieren, sie gehört nur nicht in die Politik. In spätestens zehn Jahren wird sie aussehen wie die Terroristin Leila Khaled heute, die seinerzeit als schön galt und sogar Erich Fried einen sabbernden Text schreiben ließ, den er Gedicht nannte.

Weinstein wurde nur in den Ring geworfen, weil seine Name eindeutig jüdisch ist, was man nicht ausspricht. Und Chebli wäre nicht einmal ein Thema in der Zeitschrift beim Friseur, wenn sie nicht als palästinensischer Flüchtling daherkäme.


Es ist sehr wahrscheinlich so, dass Cheblis Migrationshintergrund und ihr relativ hübsches Äußeres für ihre Karriere zuträglich waren. Letztere darauf zu reduzieren, ist allerdings falsch. Sie erfüllte und erfüllt, gemessen an den Maßstäben formaler Qualifikation und gängiger parteipolitischer Usancen, alle Vorraussetzungen für eine politische Karriere:


Nach ihrem Abitur begann sie am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin ein Studium der Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt „Internationale Beziehungen“, welches sie als Diplom-Politologin beendete.

[..]

2001 wurde Chebli Mitglied der SPD.[8] Während des Studiums arbeitete sie als studentische Hilfskraft im Bundestagsbüro von Gert Weisskirchen.[9] Nach dem Abschluss ihres Studiums 2004 war Chebli zunächst wissenschaftliche Mitarbeiterin verschiedener SPD-Bundestagsabgeordneter, unter anderem Büroleiterin von Johannes Jung. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt war die Außenpolitik.[9]

2009 nahm sie als eine der Munich Young Leaders an der Münchner Sicherheitskonferenz teil.[10]

Im März 2010 wechselte sie in den Berliner Innensenat, wo sie unter Ehrhart Körting eine neu geschaffene Stelle als Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten antrat. In dieser Position förderte sie Projekte wie „Jung, Muslimisch, Aktiv“ (JUMA),[11][6] das Nachfolgeprojekt „Jung, Gläubig, Aktiv“ (JUGA)[12] und interreligiöse Poetry Slams.[13] Im November 2011 war sie in der Fernsehsendung Pelzig hält sich zu Gast.

In der Talkshow Günther Jauch äußerte sie sich am 25. November 2012 skeptisch zu den Aussichten des Nahost-Friedensprozesses.[14][15]

2014 berief Frank-Walter Steinmeier Chebli als erste Muslimin überhaupt als stellvertretende Sprecherin ins Auswärtige Amt. Wie bereits ihre Ernennung zur Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten, fand auch dies ein großes Medienecho.[3][16][17][18]

Wenige Tage vor der Wiederwahl Michael Müllers zum Regierenden Bürgermeister von Berlin wurde am 6. Dezember 2016 bekannt, dass Chebli als Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales zu diesem in die Senatskanzlei wechselt.[19][20][21]

https://de.wikipedia.org/wiki/Sawsan_Chebli


Will sagen: Es gibt unzählige Personen ohne irgendeinen kürzer zurückliegenden Migrationshintergrund, die, so oder so ähnlich wie Chebli, ein Politik affines Fach studiert haben, in eine Partei eingetreten sind, für Abgeordnete gearbeitet, sich in Arbeitskreisen engagiert haben und in diesem Zuge selber eine politische Karriere gemacht haben / machen. Das heißt auch: Sie wurde nicht einfach von sozigen Gutmenschen irgendwo aufgelesen, um die Mihigru-Quote in der SPD aufzubessern, sie hat sich selber - egal was man von ihr hält -, früh und aktiv um ihr Fortkommen gekümmert.

Mir persönlich war sie bis vor Kurzem wirklich kaum aufgefallen, ich halte nicht viel von ihr. Das öffentliche Theater, das sie jüngt über ein leicht verunglücktes Kompliment / eine leicht verünglückte Begrüßung durch einen ehemaligen Diplomaten gemacht hat, der damit noch deutlich unter der Brüderle-Schwelle lag, ist völlig unverhältnismäßig.

Nur: In meinem Text ging es nicht um Sawsan Chebli, sondern um etwas ganz anderes. Sie war nur der Aufhänger. Der Text wurde über 200 Mal geteilt, so etwas hatte ich noch nicht erlebt, und deshalb habe ich ihn hierher kopiert; wohl wissend, wen er auf den Plan rufen würde, ebenso, dass er von mir Unbekannten gelesen würde, was mir nicht recht sein konnte. Daher auch meine Bitte, ihn kurzfristig wieder zu löschen. Denn Redefreiheit gibt es in Deutschland nicht mehr.

Der Text war sehr vehement und emotional gehalten, ich habe dem vehement widersprochen; nicht mehr. Wieso das ein Beleg für eine in Deutschland nicht mehr vorhandene Redefreiheit sein soll, verstehe ich nicht ganz. Vehemente Widerreden auf pointierte Texte, diesseits von Beschimpfungen und diversen anderen Online-Blutgrätschen, sind eine ebenso normale wie erwartbare Angelegenheit.

Ich habe Verständnis dafür, wenn man über Islamismus und manche Erscheinungsformen des Islam mitunter abkotzt, ggf. auch öffentlich. Mir fehlt allerdings jedes Verständnis dafür, Verständnis dafür zu äußern, wenn Frauen in der deutschen Öffentlichkeit, nur weil sie ein Kopftuch tragen, beschimpft werden und/oder für Anschläge des IS verantwortlich gemacht werden - was mitnichten etwas mit politischer Korrektheit zu tun hat, sondern mit den hergebrachten Normen zivilen Verhaltens.

Soweit nun bestimmte Musliminnen und Muslime (in ihrer Eigenschaft als Angehörige dieser Religionsgruppe), auf welche Weise auch immer, gegen die hergebrachten Normen zivilen Verhaltens verstoßen, so ist dies kritik-, satire- und ggf. auch schmähwürdig. Die Beschimpfung von Frauen mit Kopftuch, nur weil sie ein Kopftuch tragen, ist hingegen schlicht unziviler Dreck. Und nicht nur das: Dergleichen dient zumal islamistischen Ideologen dazu, das liebgewonnene Bild von Muslimen im Westen als immer und überall diskrimierte Opfergruppe mit ein bisschen Realität zu unterfüttern.


Darüber hinaus spricht meines Erachtens wenig dafür, dass das Motiv von vereinzelten Leuten, die Frauen mit Kopftuch beschimpfen, nur weil sie ein Kopftuch tragen, die bloße, eher spontane Wut über islamistische Gewaltanschläge ist. Nein, Typen, die sowas machen, haben vornehmlich eine verquallte oder ggf. auch scharf umrissene rechtsradikale Ideologie im Kopf und nehmen Anschlage als Anlass, um ihrem Drang zur lebensechten Pöbelei nachzugeben. Die Verantwortung oder meinetwegen: Kausalität dafür auf Islamisten zu schieben, ist grundfalsch. Jeder sollte für seine Scheiße verantwortlich gemacht werden.


Unter etwas anderen politischen Voraussetzungen würden sich dieselben Pöbler andere Objekte für ihre Aggressionen suchen und sich mehr um Mitglieder anderer Minderheiten "kümmern". Zumindest in der virtuellen Welt läuft dergleichen auch pararell: Als ob es z.B. für so einige Pegidisten ein Widerspruch wäre, auf der einen Seite in "Islamkritik" zu machen und auf der anderen Rothschild-Soros-Verschwörungsschrott rauf und runter zu posten.


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