Ist Trump eine Folge von Klassenkampf? P.S.

NN, Montag, 14. August 2023, 18:10 (vor 598 Tagen) @ Alex
bearbeitet von NN, Montag, 14. August 2023, 18:37

I can never look at a David Brooks article without recalling this gem

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https://twitter.com/asv141/status/1687096202276540416


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Die ersten 4 - 5 Minuten äußert sich Tim Miller in seinem Podcast über den Brooks-Artikel:

https://podcasts.apple.com/us/podcast/the-answer-is-anarchy-with-amanda-shires/id164708...

Dem kann man in gewisser Weise noch die Avatar-Theorie entgegenhalten, nämlich, dass für die meistens Trump-Wähler Trump der Typ ist, der die Gruppen und Personen abfuckt, die sie nicht mögen oder hassen und es von daher als irrelevant gelten kann, dass sich Trump Zeit seines Lebens um die Arbeiterklasse oder Mittelklasse einen Scheiß geschert hat. Wobei Miller dem wohl zustimmen würde.

Was jedoch wiederum nichts daran ändert, dass es sich in den USA primär um einen Kulturkampf und eben nicht um einen Klassenkampf handelt.

Der Vorlauf zu Trump besteht nicht zuletzt aus 20 Jahren Talk Radio, Fox & "Conservative" Media Entertainment Industrie, die in dieser Form, was Größe, Dichte und Hyper-Partisanship anbetrifft, in westlichen Welt einzigartig ist.

Die Tory-Medien z.B. sind ein Witz dagegen. Großen Teilen der Tory-Base stank es dann irgendwann doch, dass Boris permanent gelogen hat.


Zunächst mal stimme ich Deinen Anmerkungen in den vorangegangenen Posts grundsätzlich zu.
Dass Handwerker auf das akademische Prekariat mit einer gewissen Häme herabblicken hat viel mit dem sich verselbständigten Hang der Kleinbourgeoisie zu tun, die den gesellschaftlichen Aufstieg mit Studium und Titel verband und teilweise immer noch verbindet.

Unter Letzteren bzw. häufig sozialdemokratisch geprägten Akademikern wiederum gibt es die Tendenz, den mehr oder weniger ausgeprägten Wohlstand von einigen Handwerkern zu unterschätzen.

Wobei es hier nicht nur um die rein materielle Ebene geht; die besagten Akademiker verbinden nicht zuletzt auch Selbstverwirklichung zwingend(!) mit ihren und anderer Leutes akademischen Abschlüssen.

Strenger soziologisch betrachtet läuft das empirisch häufig ins Leere: Sowohl für einige Akademikerkinder als auch für einige Handwerkerkinder ist heute ein weiterer sozialer Aufstieg ein überzogenes, teils müßiges Ziel: Sollte das Akademikerkind, dessen Eltern (wie auch immer) aufgestiegen Hochschullehrer werden oder mindestens promovieren, wenn es die Elterngeneration nicht getan hat? Hat sich der Sohn eines wohlhabenden Fliesenlegers, der auch einen Fliesenlegerbetrieb hat, ohne akademischen Abschluss nicht selbst verwirklicht?

Mal ganz abgesehen vom Kind aus einfachsten Verhältnissen, das im Erwachsenenalter "nur" Facharbeiter geworden ist.

Dass viele mit ihren hart und durchaus schmerzvoll erarbeiteten Titeln und Abschlüssen für ihren jeweiligen Posten unterqualifiziert sind, ist vermutlich ein Teil der deutschen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Unterqualifiziert?

Der Gedanke des Kulturkampfs scheint mir passend.
Dass in den USA eher reaktionär gesinnte Konservative mit ihrer geballten Ladung Rechtspopulismus erheblichen Erfolg haben, ist imho dem von den „progressiven“ Kräften angezettelten Kulturkampf zu verdanken.

Das ist so nun Quatsch. Natürlich benutzen Reaktionäre bescheuerte Linke als ideologische Wichsvorlage / Agitationsmittel vor ihren Kulturkampf. Allerdings sind sie eben nicht aufgrund dessen Reaktionäre bzw. Rechtsradikale. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass etwa in den USA die ganzen evangelikalen Abtreibungsgegner oder Trump-Kultisten aufgrund von linkem Campus-Unsinn, von dem sie zumal selber eher selten betroffen waren / sind, zu dem geworden sind, was sie sind?

Der galoppierende Schwachsinn von Cancel Culture und die ausufernde Political Correctness, die jede Abweichung von der „wahren Lehre“ mit größtmöglicher Empörung quittierte, hat den fruchtbaren Boden geebnet für die Lust an jedwedem Schwachsinn, solange sie nur den woken Wahnsinn lächerlich macht.

Wie gesagt, in dieser unmittelbaren Kausalität ist das Quatsch. Als ob diese Leute mit dem Aufkommen der linken Cancel Culture aus dem Boden geschossen wären bzw. aus Protest dagegen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Gefundene Fressen: Ja. Der Fleischfresser ist jedoch nur selten deshalb Fleischfresser, weil er etwas hingeworfen bekommt oder von einer Bande Veganern übel behandelt wurde.


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