Kock der Szmok
Auf Zischkas Buch vom "Ölkrieg", das einen
epochalen Abschnitt des "großen Kampfes zwischen
uns Schaffenden und den Räubern, zwischen
Aufbauenden und den vom Zufall Lebenden" schildert
- also wieder die Dichotomie vom "schaffenden"
gegen "raffendes", sprich "jüdisches" Kapital -,
hat schon vor Jahren der Historiker Dan Diner in
einem Essaybändchen über den "Krieg der
Erinnerungen" aufmerksam gemacht: Als Quelle für
die Parole "Kein Blut für Öl!", die anlässlich des
zweiten Golfkriegs mit rot tröpfelnden und zur
Fraktur skelettierten schwarzen Lettern auf
wehende Bettlaken geschrieben wurde.
Zischkas Ölreißer liest sich noch heute wie ein
geopolitischer Kriminalroman, der dem "schwarzen
Gold" von den Ursprüngen als einem
"Verwesungsprodukt urweltlicher Tiere, das wir aus
den Tiefen der Erde holen", über das
"Spekulationsobjekt" einer goldgelben
Internationale gieriger Ölherren bis hin zu den
symbolischen Qualitäten des Rohstoffs folgt: "Es
war wie ein Symbol: Öl beschmutzte hier alles. Die
Hände der Regierenden wie das Wasser des Volks."
Wieder ein Fall von Brunnenvergiftung - durch
amerikanisches, durch jüdisches Kapital. Und da
soll es erneut heißen: "Blut für Öl!"? Nicht mit
uns! "Halt rein unsern Saft, / Daß rot seine
Kraft.. .", dann wird sich alles, alles wenden.
Der so dichtete, war der NS-Barde Gerhard
Schumann. Öl ist zähflüssig, düster, unrein,
schwarz, ohne Seele und Gefühl, materialistisch,
ganz "jüdisches Gift" und die "Sünde wider das
Blut", die "Blutschuld" schlechthin. Blut dagegen
ist leichtflüssig, leuchtend, rein, unschuldig,
natürlich und rot, und mit ihm, das der Erlöser
vergossen hat und das uns Erlösung verheißt, soll
auch er wieder leuchten, unser aller Gral, der
heilende, der Heilige Gral, voll mit Lebenssaft,
dem "roten Saft", dem - wie Friedrich Georg Jünger
schrieb - "mythischen Urgrund des Seins" und
unserer "blutsmäßigen Gemeinschaft".
Vermintes Sprach- und Symbolgelände betritt, wer
sich die einfache Formel zu eigen macht, und er
sollte wissen, in welch manichäische Mystik er
sich verstrickt, die durch die stinkigen Moraste
einer völkisch- nationalsozialistisch tradierten
Phantasmagorik tradiert wurde und offenbar noch
immer durch die Köpfe wabert: Beschworen wird hier
der apokalyptische Kampf zwischen den blut- und
geldgierigen Mächten der Finsternis und den
heroischen Mächten des Lichts, die ihr Blut nur
für anständige Dinge zu vergießen bereit sind.
Dass solches Denken den urdeutschen Dualismus von
"Kultur" und "Zivilisation" gleich mit erneuert,
ist dabei nur ein Begleitprodukt einer
fortdauernden, aus der alten Bundesrepublik
überkommenen Bunkermentalität, die sich auf ihre
blutige Unschuld auch noch gehörig etwas einbildet
und die Bettwäsche auch dann noch für weiß hält,
wenn sie nach Wochen und Monaten immer noch aus
dem Fenster hängt. Wir werden sie hängen sehen -
und unterdessen werden wir die
Stammtischdiskussion über deutsche Städte als
Ziele alliierter Bombenangriffe im Zweiten
Weltkrieg weitertreiben, in Bild & Spiegel & FAZ.
Anton Zischka, dem wir die Erklärung des
geopolitischen und weltökonomischen Nexus von Blut
und Öl verdanken, war im Übrigen kein
Blut-und-Boden-Mystiker vom Schlage eines Alfred
Rosenberg oder Heinrich Himmler. Wie zuvor mit der
Weimarer Republik hatte er - von ein paar
kämpferischen Auftritten gegen die Stilllegung von
Zechen im Ruhrpott abgesehen - auch mit der
westdeutschen Nachkriegsdemokratie seinen Frieden
geschlossen und seine Schäfchen ins Trockene
gebracht, bevor er hochbetagt auf der lichten
deutschen Freizeitinsel Mallorca starb.
Seine letzte Buchveröffentlichung "Der Dollar.
Glanz und Elend einer Weltwährung" - 1985 im
Wirtschaftsverlag Langen-Müller erschienen - ist
noch immer lieferbar. Er war ein Modernist von
deutschem Format: Sein Buch über den "Ölkrieg"
propagierte ein großindustrielles Projekt zur
synthetischen Ölgewinnung, die Deutschland von der
imperialistischen Tyrannei des verjudeten, des
amerikanischen Öls unabhängig machen sollten.
Zischka erfreute sich bester Beziehungen zur
deutschen Großindustrie und zum IG-Farben-Konzern,
und während er schrieb und für das Mammutprojekt
Ölsynthese warb, war eine erste industrielle
Anlage zur synthetischen Ölgewinnung bereits
entstanden. Sie stand in Auschwitz, das für
saubere Arbeit bürgte - und für die Reinhaltung
des Blutes.
VOLKER BREIDECKER
Süddeutsche Zeitung 24.01.2003
gesamter Thread:
- Kock der Szmok -
Dudi,
20.04.2003, 17:59
- Kock der Szmok -
Ishah,
20.04.2003, 18:35
- Kock der Szmok -
Sarah@Ishah,
21.04.2003, 01:01
- Kock der Szmok -
Ishah,
21.04.2003, 02:16
- Kock der Szmok -
Sarah@Ishah,
21.04.2003, 03:51
- Kock der Szmok -
Ishah,
21.04.2003, 21:58
- Kock der Szmok -
Sarah@Ishah,
22.04.2003, 08:18
- Kock der Szmok -
Beo Bachter,
22.04.2003, 11:00
- Kock der Szmok -
Sarah @ Beo Bachter,
22.04.2003, 11:56
- Kock der Szmok -
Beo@Sarah,
22.04.2003, 12:03
- Kock der Szmok - Sarah @ Beo, 22.04.2003, 12:24
- Kock der Szmok -
Beo@Sarah,
22.04.2003, 12:03
- Kock der Szmok -
Sarah @ Beo Bachter,
22.04.2003, 11:56
- Kock der Szmok -
Ishah,
22.04.2003, 12:49
- Kock der Szmok - Ishah - Zusatz, 22.04.2003, 13:11
- Kock der Szmok -
Sarah @ Ishah,
23.04.2003, 15:22
- Kock der Szmok - erbarmen@Sarah, 23.04.2003, 21:11
- Kock der Szmok -
Ishah,
23.04.2003, 21:27
- Kock der Szmok -
Ishah - Fortsetzung,
23.04.2003, 21:27
- Kock der Szmok -
Ishah googelt: Halt rein unsern Saft,
23.04.2003, 21:28
- Kock der Szmok - Fortsetzung - Raffen und Schaffen, 23.04.2003, 21:29
- Kock der Szmok -
Ishah googelt: Halt rein unsern Saft,
23.04.2003, 21:28
- Kock der Szmok -
Ishah - Fortsetzung,
23.04.2003, 21:27
- Kock der Szmok -
Beo Bachter,
22.04.2003, 11:00
- Kock der Szmok -
Sarah@Ishah,
22.04.2003, 08:18
- Kock der Szmok -
Ishah,
21.04.2003, 21:58
- Kock der Szmok -
Sarah@Ishah,
21.04.2003, 03:51
- Kock der Szmok -
Ishah,
21.04.2003, 02:16
- Kock der Szmok -
Sarah@Ishah,
21.04.2003, 01:01
- Kock der Szmok -
Ishah,
20.04.2003, 18:35