Konventionen und Verschwörungstheorien

NN, Sonntag, 23. August 2020, 23:55 (vor 25 Tagen) @ Boothby

Da steckt ein gewisser Widerspruch drin. For the klicks bedeutet im Endeffekt driven by demand, und zwar bottom - up.

Passend dazu Nick Cohen:


Conspiracy theorists never understand that successful newspapers follow their readers. It's not such a hard idea: all businesses give their customers what they want. The fact that the Mail is turning on Johnson tells me that opinion is shifting in Tory England

https://twitter.com/NickCohen4/status/1297522551258841090


Nicht wirklich ein Widerspruch; die Mail ist vom business model her eine Zeitung, die sich um Reichweite bemüht (und dabei mit Konkurrenz von ähnlich gewalkten Presseerzeugnissen rivalisiert/Provos als Klappern, das zum Geschäft gehört, akzeptiert). Breitbart/Daily Caller sind nur politische Vehikel, die sich darüber freuen, wenn zusätzlich auch Reichweite abfällt.

Insgesamt denke ich, der rechtsgewalkte mediale Komplex hat sich bis vor wenigen Jahren selbst nicht vorstellen können, mit dieser Clownshow tatsächlich mediale Oberhand gewinnen zu können.

Dennoch würden sie auch demselben politischen Programm widmen, wenn der Erfolg damit geringer wäre, und vermutlich mit entsprechend mehr Verve. Das wäre bzw. ist bei der Mail im gegebenen Zusammenhang ja gerade nicht gegeben. Daily Caller würde sich ja nicht vom Heiland abwenden, und auch FOX tut das nur in präzise rationierten Dosen.

Wenn Chris Wallace mal einen quält, dann nur, um Objektivitität und seriöse journalistische Arbeit zu mimikrieren. In welchem Spiel er da aber mitspielt, dürfte auch ihm bekannt sein.


Klicks und Reichweite sind nun äquivalent bzw. teilweise deckungsgleich, insofern besteht hier kein Unterschied.

Du hättest / hast insoweit Recht, als Breitbart und Daily Caller, im Gegensatz oder zumindest in deutlich höherem Maße als die Mail, Zuschussbetriebe sind; also theoretisch einfacher, ohne Korrektur an ein und derselben politischen Linie festhalten und/oder es sich leisten können, nicht auf Änderungen auf der Publikums/Demand-Seite zu reagieren.

Gleichwohl handelt es sich bei der Mail nicht um ein abstraktes business model. Sie hat konkret auch einen (Pro-)Tory-Markenkern. Wenn es gegenüber Johnson bzw. der von ihm geführten Regierung zunehmend kritische Artikel gibt, dann deutet dies auf eine teilweise / gewisse Veränderung auf der Demand/Publikumsseite hin.

Was aber eben nicht heißen muss, dass es sich innerhalb des Spektrums rechts der Mitte in den USA genauso verhält. Trumpismus ist schlicht mehr durch Personenkult geprägt als Brexitismus. Die Base ist härter als vernehmbare Zweifel am Brexit und/oder der Regierungsführung Johnsons und Cummings.


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