Konservativ-die neue Gegenkultur?

NN, Montag, 15. Mai 2017, 22:24 (vor 214 Tagen) @ alex
bearbeitet von NN, Montag, 15. Mai 2017, 22:46

Nachtrag, präzisierend:

Man kann natürlich in Bezug auf wetliche Staaten insgesamt von einer Welle des Nationalismus / Rechtspopulismus sprechen.

Aber auch hier stellt sich a) jeweils die Frage, ob und wenn ja, inwieweit dieser Nationalismus / Rechtspopulismus konservativ ist.

b) Stellt sich jeweils die Frage, ob und wenn ja, inwieweit die tatsächliche (oder auch vermeintliche) Elite, gegen die nationalistische / rechtspopulistische Bewegungen zu Felde ziehen, links / linksliberal ist.

In Großbritannien hat sich die konservative Partei in die Tat an die Spitze des Rechtspopulismus / Nationalismus gesetzt. So sehr, dass es noch kaum jemand für nötig erachtet, UKIP zu wählen. Die Regierung Cameron war aber nicht links, auch nicht linksliberal. Ebenso haben meines Erachtens auch die britischen Medien einen weniger starken "linksliberalen Überhang" als die deutschen Medien.

Daneben können wir aber in Frankreich (Melenchon), Spanien (Podemos) und Italien (5 Sterne) recht erfolgreiche Kandidaten und Bewegungen beobachten, die, von links kommend, eine teils stramm nationalistische Wirtschaftspolitik propagieren.

Gegen links oder gegen linksliberal ist das nicht oder zumindest nicht ganz, jedenfalls nicht in einer kulturellen Dimension.*


Lange Rede, kurzer Sinn:

Das Ganze ähnelt - zumindest zum Teil - eher einer politischen Frontstellung des 19. Jahrhunderts: Konservative (genauer: Alt- bzw. Paläokonservative) Protektionisten und Etatisten gegen liberale Freihändler (Nationalliberale bis Linksliberale).**


Die USA wiederum sind nochmal ein eigenes / anderes Blatt. Hier wäre ich noch am ehesten geneigt, neben politischen Konflikten, eben auch eine Art Kulturkampf zu konstatieren. (Aber eben nicht in NRW. Und als rotrotgrün ablehnender Wahlberliner gehe ich ja auch in den Öko-Supermarkt, ohne dabei ständig die Krise zu kriegen.)

Was die ökononomische Dimension der Gemengelage anbetrifft, lässt sich allerdings nicht oder zumindest weniger von einem einfachen Rechts/Links-Konflikt sprechen, geschweige denn von einem Kulturkampf. Es gibt sowohl (eher) rechte und (eher) linke Freihändler als auch (eher) linke und (eher) rechte Protektionisten.

* Wobei auch hier, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei Le Pens und AfDelrs, eine Zuneigung zum Kreml vorhanden ist. Die Verehrung der fleischgewordenen Reaktion ist sehr unlinks. Mit Blick auf die verkommendsten Teile der US-Republikaner ist dergleichen zumindest stimmiger.


** Als Fußnote: Die Labour-Partei stand im 19. Jahrhundert zumeist auf Seiten der Freihändler, weil durch den Protektionismis die Getreidepreise hoch gehalten wurden. Ähnlich verhielt es sich mit der damaligen Sozialdemokratie: Bismarcks Protektionismus schützte nicht zuletzt die ostelbischen Junker.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum