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Konservativ-die neue Gegenkultur?

alex @, Sonntag, 21. Mai 2017, 11:04 (vor 126 Tagen) @ NN

Und weil ich es gerade sehr spannend finde, das hier gleich hinterher:

https://www.nzz.ch/feuilleton/meinungsfreiheit-die-linke-macht-den-menschen-wieder-zum-...

Daraus:

Woran machen Sie diese Verschiebung fest – und wie genau ging sie vonstatten?

Es gibt keine Konservativen mehr. Franz Josef Strauss hat von sich mit Stolz gesagt, er sei ein Konservativer und Rechter – das ist heute undenkbar. Wer sich dem sozialdemokratisch-ökologisch-dirigistischen Konsens verweigert, bezeichnet sich im besten Fall als Mensch der politischen Mitte. Diese Verschiebung der Koordinaten konnte nur gelingen, weil die Linke die Deutungshoheit errungen hat und allein darüber befinden kann, wer als links und wer als rechts zu gelten hat. Dumm nur, dass Liberale und Konservative sich diesen Spielregeln unterworfen haben, deren Geltung sie nicht einfach wieder aufkündigen können.


Auch das widerspricht deiner These von einer konservativen Gegenkultur (jedenfalls in Deutschland).

Um deine These plausibler zu machen, solltest du zumindest ansatzweise definieren, was du unter konservativ / Kultur [etwa: politische Einstellung + Lifestyle] bzw. Gegenkultur* verstehst.

Wie aus meinem Beiträgen ersichtlich, bin ich selbst auf der Suche nach einer modernen Deutung dieses Begriffs, als These habe ich primär in den Raum gestellt, dass das postmoderne linke Establishment aufgrund seiner Macht keine Gegenkultur mehr sein kann und sich da etwas anderes zu entwickeln scheint, das der "rechtsradikale Verschwörungshansel" konservativ bennannt hat.

Hier ein Zitat eines Textes, den ich noch verlinke und der die Definition eines aktuellen Konservatismus versucht:

Das Streben, den Status quo zu „zerschlagen“, verbreitete Annahmen und mächtige Institutionen herauszufordern und sich für Marginalisierte einzusetzen, ist durchaus liberal. Sich dem entgegenzustellen, ist entschieden konservativ. Erstmals in der Geschichte sind wir jedoch an einem Punkt angelangt, an dem der Status quo durchweg liberal geprägt ist. Der heutige Liberalismus tritt für Freiheit und Gleichheit ein, unabhängig von Geschlecht, Ethnie oder Sexualität. Daraus resultiert eine verwirrende Situation, in der Liberale, welche diesen Status quo erhalten möchten, als konservativ gelten, und jene, die den Konservativismus um jeden Preis bekämpfen wollen, zu Verteidigern von Irrationalismus und Illiberalismus werden. Haben die frühen Postmodernisten noch dem Diskurs den Diskurs entgegengesetzt, folgen heutige Aktivisten postmodernen Ideen zu ihrer logischen Konsequenz und verhalten sich zunehmend autoritär.

Ich sage: Man muss nicht konservativ sein, um mit den Grünen (oder gar der Linkspartei) wenig bis nichts am Hut zu haben. Ich sehe wenig Grund dafür mich selbst als "Konservativen" zu bezeichnen.

Ich sage: Man muss nicht konservativ sein, um mit den Grünen (oder gar der Linkspartei) wenig bis nichts am Hut zu haben. Ich sehe wenig Grund dafür mich selbst als "Konservativen" zu bezeichnen.

Und dann gibt es noch so einige Leute / Parteien / Gruppierungen, die sich als "konservativ" bezeichnen, aber näher besehen (oder auch auf den ersten Blick) wenig bis nichts mit den Konservatismus im Westen, sagen wir mal: nach bzw. seit dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam haben. Und wenn nun Le Pen, Farage AfD und Co. auch von mainstreamigeren Linken, die ich nicht mag und die häufig zu großzügig mit dem Prädikat rechts bzw. rechtsradikal sind, als rechts, rechtsradikal, nationalistisch und/oder rechtspopulistisch bezeichnet werden, dann liegen sie da nicht falsch.

Ökonomischer Protektionsmus ist nicht konservativ (jedenfalls nicht im 20. Jhd.), ein Sozialstaat mit allen Schikanen ist nicht konservativ, Kulturrassismus ist nicht konservativ und die weitgehende bis völlige Ablehnung von Einwanderung ist auch nicht konservativ.


* Die trotzkistischen Vollspassten, die gegen Baberowski agitieren, könnte man als Teil einer linksradikalen/linksextremen Gegenkultur definieren. Allein: Diese Gegen- oder Subkultur gibt es so oder so ähnlich schon länger, und ihre Wirkmächtigkeit ist momentan insgesamt betrachtet begrenzt.

Der größte politische Erfolg von Linksradikalen / Linksextremisten in westlichen Breiten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war wohl die weitgehende Übernahme der britischen (mittelinks) Labour-Partei. Das ist ein gutes Beispiel für eine gut organisierte Minderheit, die sich durchsetzt.

Der politische Einfluss der Grünen in Deutschland wiederum mag nun, gemessen an der absoluten Zahl ihrer Wählerstimmen, überproportional groß sein, vor allem weil überproportional viele Journalisten ökig eingestellt sind und die SPD in vielen Bundesländern nur mit den Grünen den Ministerpräsidenten stellen konnte / kann. Gleichwohl konnten und können die Grünen nur deshalb so herumnerven (und mitunter sogar eher links eingestellten Leuten auf den Sack gehen), weil sie sich schon pragmatisiert und entradikalsiert haben.

Hier der Link zu dem Text, aus dem mein Zitat stammt.

https://www.ruhrbarone.de/wie-der-postmodernismus-die-aufklaerung-abwickelt/142698


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