Daumendrücken

NN, Dienstag, 25. August 2020, 21:51 (vor 23 Tagen) @ Boothby

Polonium kam aber schnell aus der Mode.


Hat Nachteile bei der sogenannten plausible deniability.

https://en.wikipedia.org/wiki/Plausible_deniability

An andere Gifte kann jeder rankommen, also könnte es - theoretisch - auch jeder gewesen sein.


Natürlich Spekulatius, aber: Die Tötung Nawalnys selbst scheint Nachrangig, zumindest darf man dem FSB wohl zutrauen, einen Hitjob auch zufriedenstellend abzuarbeiten.

Im Mittelpunkt steht mMn eher die Signalwirkung, die ohne toten N. evtl. sogar nachhaltiger ausfallen kann.

Die Signalwirkung, dass sich kein Oppositioneller sicher sein soll, steht bei solchen Mordanschlägen im Allgemeinen Vordergrund. Im Besonderen ist Nawalny allerdings genau der Typ, der für Putins Macht unter anderen, freieren politischen Rahmenbedingungen gefährlich werden würde; er ist der russische Oppositionelle. Er steht gegen die Korruption und Putins Oligarchensystem, ist aber, soweit man ihn programmatisch einordnen kann, kein westlicher Liberaler, sondern spricht auch einen Teil der vielen nationalistisch gesinnten Russen an. (So würde ein Präsident Nawalny wohl kaum die Krim zurückgeben. Er würde wohl den Krieg gegen den Rest der Ukraine beenden oder einen Assad verhungern lassen.)

Abgesehen davon wäre ich mir nicht in jedem Fall sicher, dass russische Sicherheitsdienste Histjobs stets "zufriedenstellend abarbeiten" bzw. immer (genau) wie geplant ausführen. Dass die beiden GRU-Mitarbeiter, die Sergej Skripal samt Tochter ermorden sollten, Dawn Sturgess ermordeten und etwas später im Staatsfernsehen eine Legende verzapft haben, die so dermaßen beknackt war, dass sie kaum einer der üblichen verdächtigen Putinfans im Westen weiter verbreiten wollte, war so nicht geplant.

Man kann sagen, dass es Putin und seinen Schergen relativ egal ist, wenn irgendein Anschlag so oder so ausgeht oder wenn etwas nicht wie geplant hinhaut. Schließlich sind a) die negativen Reaktionen der westlichen Staatengemeinschaft arg relativ, b) gibt es, wie wir wissen, innerhalb der westlichen Politik und Öffentlichkeit unterschiedliche Akteure, die von sich aus immer wieder bereit waren und sind, aktiv Lippenstift auf das Schwein zu schmieren. Ganz zu schweigen von passiver Ignoranz oder dem hohen dreistelligen Millionenbetrag, den der Kreml jährlich für seine nicht-russischsprachigen Auslandsmedien ausgibt.


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