Echt schlechte Nachrichten

Boothby, Dienstag, 23. Februar 2021, 12:54 (vor 9 Tagen) @ NN

Das Motiv für dieses Overengeneering liegt wahrscheinlich nicht allein in den gewohnten Abläufen des korrekten Verfahrensstaates begründet, sondern auch in der Angst von politischen Entscheidern, dass sich nachher irgendjemand beschwert, es könnte ja irgendwo ungerecht zugehen.

Man kann sicher davon ausgehen, dass das Vertrauen politischer Entscheider in die öffentliche Kenntnis bspw. marktwirtschaftlicher Preiselastizitäten eher gering ist, und dass das sehr wohl Thema werden würde ("sie stecken die Asche den Buddies in der Pharmazie zu bla bla").

Dafür sprechen evtl. auch die Kontrollgruppen USA/UK. Dort wurden richtigerweise die Bazookas ausgepackt, aber warum? Ein ausgesprochenes Gefühl der Dringlichkeiten lag seitens der jeweiligen Admin nicht vor, das zeigt der Blick auf's gesamte Krisenmanagement.

Verwegener Vorschlag: Die haben richtig gehandelt, weil hier die zuständigen Technokraten auf Fed-Ebene mehr oder minder in Eigenregie handeln konnten. Es gab es niemanden, der an Kontrollen diesbezüglich interessiert gewesen wäre, und wichtiger: Es gab überhaupt keinen zusammenhängenden öffentlichen Diskurs darüber, der öffentliche Auftritt war ein völliges Chaos, dominant war vollständig das tagesaktuelle Geschehen; entweder war es wegen Kritik daran oder beschwichtigende Propaganda.

Ein Bekannter von der Insel meinte mal, der psychosoziale Stress *darüber* wäre das größte alleinstehende Problem der Bevölkerung im UK.

Wir können umgekehrt wohl davon ausgehen, das selbige Technokraten, die in der EU das fachliche Know How verwalten, einiges von den Repräsentativen zu hören gekriegt haben werden, wenn die sie zu beraten hatten.

Das gilt selbstredend alles eher für Beschaffung als Verteilung. Bei letzterem scheint mir die realiter größere Panik vor dem Virus selbst bzw. der ungeordneten Ignoranz von Teilen der Bevölkerung größeres Mobilisierungspotenzial zu ermöglichen als die relativ größere Genervtheit bzügl. des Lockdowns in D. Zuzüglich zu der im Krisenfall nun mal sinnvollen zentralen Entscheidungsbefugnisse.

Diese Interpretation wird mMn. auch durch die unterschiedlichen kollektiven Grundverfasstheiten in dem für die Vorbereitungen wesentlichen Zeiträume gestützt: In D war es im Sommer nahezu, als gäbe es keine Hygieneprotokolle mehr, während in UK/USA mit einer öffentliche Polarisierung vor dem Herrn (entweder mit dem Zählen von Bodybags oder umgekehrt wirre Rechtfertigungen bezüglich eines Hoax etc.) beschäftigt war.

Das lässt sich auch daran absehen, dass nicht nur EU-Strukturen hinderlich sein können, sondern auch auf deutscher Ebene die förderale Struktur, die im Vgl bspw. zu USA völlig anders geartet ist: Katastrophenmanagement ist dort selbstverständlich Sache der Feds, deshalb lautete die Kritik anders als in D weniger, dass man sich *zu sehr* einmische, sondern umgekehrt *zu wenig*.

Das erscheint mir auch wegen der Nachbearbeitung der Krise wichtig. Ich gehe definitiv davon aus, dass europäische Seuchenschutzprotokolle eingeführt werden, die vor Covid undenkbar gewesen wären.


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