Der super duper US-Wahl-Fred deluxe

NN, Dienstag, 20. Oktober 2020, 19:53 (vor 43 Tagen) @ Kwezi

Grüß Dich, Udo, schön, Dich wieder mal zu lesen. Alexander Wendt hat, wie häufig, den Fall Maron - Fischer auf den Punkt gebracht: https://www.publicomag.com/2020/10/wer-bleibt-der-wechselt-die-seiten/
„Welche Achse hat sich gedreht, dass ich mich auf einer anderen Seite wiederfinde, ohne die Seite gewechselt zu haben?“

Daraus:

Was als vorgebliches Motiv für Trennung in der Branche und manchen Medien herumgereicht wird, kommt nicht ernsthaft in Frage: Dass ihr Essayband „Krumme Gestalten, vom Wind gebissen“ nicht bei Fischer erschien, sondern im Frühjahr 2020 in der kleinen EXIL-Edition des Buchhauses Loschwitz.

Erstens wird das Motiv nicht herumgereicht, die Geschäftsführerin des Verlags wird ausführlicher zitiert. Zweitens spricht nichts dafür, dass das Motiv vorgeblich ist. Man kann es dann immer noch für schlecht oder in seinem Gehalt für unzureichend halten:

„Man kann nicht bei S. Fischer und gleichzeitig im Buchhaus Loschwitz publizieren, das mit dem Antaios Verlag kooperiert“, sagte die Verlegerische Fischer-Geschäftsführerin Siv Bublitz in einer Stellungnahme.

https://m.tagesspiegel.de/kultur/nach-trennung-von-ihrem-verlag-s-fischer-monika-maron-...

https://antaios.de/buecher-anderer-verlage/aus-dem-aktuellen-prospekt/92596/reihe-exil-...


Konkreter, auf den Rauswurf abzielend: "Bis vor zwei Jahren habe ich S. Fischer als einen sehr toleranten Verlag erfahren, dem es ein Anliegen war, das Meinungsspektrum seiner Autoren und damit auch der Gesellschaft abzubilden. Da hat sich offensichtlich etwas verändert."

Hat es sich so verändert, dass die Äußerungen einer Autorin zum Anlass einer Kündigung werden? Verlagschefin Siv Bublitz setzt als Antwort "noch einmal ein klares Nein. Wir haben sehr unterschiedliche Positionen im Verlagsprogramm zu politischen und gesellschaftlichen (und vielen weiteren) Fragen. Ein gutes Verlagsprogramm braucht diese Vielfalt. Wenn es Kontroverses oder Provozierendes gibt, dann wird diskutiert oder auch gestritten. Doch das kann nie ein Grund sein, sich von einer Autorin zu trennen."

Wo ist bitte dann der Grund für den Bruch zwischen S. Fischer und seiner Autorin zu finden?

Im März dieses Jahres hat Monika Maron einen Essayband im Buchhaus Loschwitz veröffentlicht. Der kleine Dresdner Verlag gilt vielen Kritikern als eine Art verfeinerte Astgabel der treudeutschen Eiche Schnellroda, wo der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek seinen Antaios-Verlag betreibt. Die Buchhändlerin Susanne Dagen, zu deren Leseabenden sich bis vor ein paar Jahren viele wichtige Schriftsteller einladen ließen, gilt inzwischen als pegidafiziert und hat sich in ein selbsternanntes "Exil" zurückgezogen - und so heißt auch die Schriftenreihe "Exil", in der Marons Essayband erschienen ist.

Natürlich sei ihr das von S. Fischer vorgeworfen worden, schreibt Maron. "Wobei meine Erklärungen zu der Angelegenheit auf wenig Verständnis trafen." In der Causa Susanne Dagen scheiden sich inzwischen die Geister der Literaturszene. Es gibt etliche, die sich scheuen, dem Dunstkreis der Buchhandlung zugerechnet zu werden. Andere wiederum, darunter auch Monika Maron, fühlen sich Dagen weiterhin verbunden

Monika Maron schreibt: "Susanne Dagen ist eine Buchhändlerin und Freundin, die sich seit mehr als zwanzig Jahren für mein Werk engagiert. Vor einem Jahr hat sie mich gefragt, ob ich in ihrer Edition ein Bändchen mit Essays veröffentlichen würde. Zuvor hatte der Fischerverlag meine Bitte, zu meinem 80. Geburtstag ein Band mit Essays zu veröffentlichen, abgeschlagen. Ich sah also keinen Grund, Susanne Dagens Angebot abzulehnen."

Sieht man bei S. Fischer darin einen hinreichenden Grund, weitere Angebote der Autorin Monika Maron abzulehnen? Die Stellungnahme der Verlegerin: "Ein klares Ja. Besonders problematisch ist für uns das Umfeld des Antaios Verlages, mit dem das Buchhaus Loschwitz kooperiert. Zu dessen Programm gehören zahlreiche Bücher, die völkisch-rassistische Positionen vertreten. Mit völkischen und rassistischen Diskursen will der S. Fischer Verlag nicht assoziiert werden, auch nicht mittelbar. Die Diktatur des Nationalsozialismus hat die Geschichte und Tradition unseres Hauses geprägt. Dieses Geschichtsbewusstsein leitet uns in unserer verlegerischen Arbeit bis heute." Hat der Verlag seine Autorin mit den Bedenken bekannt gemacht? Bublitz: "Leider scheiterte das Gespräch mit Frau Maron über dieses Thema auf ganzer Linie: Sie empfand unsere Fragen als Zumutung und verbat sich jede Einmischung in ihre Publikationspläne. Wir entschieden dann, keinen Vertrag für ein neues Buch anzubieten."

https://www.sueddeutsche.de/kultur/monika-maron-fischer-trennung-verlag-1.5081858


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