Klangbox

NN, Sonntag, 28. März 2021, 20:37 (vor 20 Tagen) @ Udosefirot

"Aber seis drum. Orlando Gibbons (1583 - 1625) war noch nicht mal ein Zeitgenosse Bachs. Diese Aufführung seines Werks für Tasteninstrumente auf einem modernen Konzertflügel mag historisch ein Foulspiel sein, klingt aber hervorragend."


- Touche, aber ist dies dann Werkkonform?

Wat jetzt? Wenn Gibbons auf einem Konzertflügel historisch ein Foulspiel ist, dann ist es natürlich nicht werkkonform - oder allenfalls äußerst eingeschränkt. Man könnte noch einen eingeschränkten Punkt machen und argumentieren, dass der Klangcharakter eines Konzertflügels eindeutig ein anderer ist - wenn sich der Interpret jedoch an die Notation (soweit komplett vorhanden) hält, richtet er sich nicht gegen den gesamten Charakter der Stücke.

Und schließlich war die Klangvarietät von Cembali und Virginalen (England) zu Zeiten der Spätrenaissance und des Barocks ungleich breiter als bei modernen Konzertflügeln. D.h.: Dieselben Stücke wurden in ihrem historischen Kontext mitunter auf Instrumenten aufgeführt, die klanglich stärker voneinander abwichen, als ein hart getrimmter Bösendorfer von einem weicheren Steinway.

Da gibt es wiederum Puristen, die etwa sagen "Näh, Bach verfügte über kein Cembalo flämischer Bauart vom Instrumentenbauer de Vries, die zudem viel später datiert sind, als...."

Anderes Beispiel...
https://www.youtube.com/watch?v=CmRBIXFraMw&list=PLcSeqMhJqs_hQivggYoFl_8PRXyxeDIAw

Falls du also doch meinen solltest, ob die verlinkte Aufführung von Bull werkkonform ist: Wenn die Notation auf Kopien des originalen Notentextes und nicht auf spätere Bearbeitungen zurückzuführen ist und Bull oder irgendein Hofmusiker, der das Stück gespielt bzw. aufgeführt hat, es mit dem in der Aufnahme rekonstruiert verwendeten Instrument hätte spielen können: Ja, weitestgehend.

- echt mit einem Konzertflügel würde hier etwas verloren gehen.

Ja, ganz sicher Klangcharakter.

Um ein ganz genaues Urteil abzugeben, müsste es gleichwohl auf einem Konzertflügel gespielt werden.

Die Urteile könnten dann unterschiedlich ausfallen. Von "Geht gar nicht" bis "klingt anders, zerstört das Stück aber nicht".

Aber, aber... es gejht anch anders!

https://www.youtube.com/watch?v=QcAxJ1_8NBc

Echt. die Überraschung und dabei widerspreche ich mich zu obigen Suada!!!

Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn Purple Haze von einem Ensemble für Streichquartett gespielt wird. Irgendwas stört mich bei dieser Aufführung aber, und ich bin hier zu wenig Musiker, um es in Worte zu fassen. (Jemand in den Kommentaren sagt sinngemäß, dass er die Instrumente anders angeordnet hätte - vielleicht ist es das.)

Grundsätzlich kann man natürlich auch hier einwenden (wobei darauf nicht mein kleines Störgefühl basaiert), dass hier allemal der Klangcharakter ein anderer ist: Wenn man keinen elektrischen Punch und keine Distortion hat, klingt es selbstredend deutlich anders. Auch wenn es sich unverkennbar um Purple Haze handelt.


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