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Klangbox

Alex @, Mittwoch, 22. Juni 2022, 08:34 (vor 47 Tagen) @ NN


Thin Lizzy begleitet mich schon seit Whiskey in the Jar,


Die 70er-Jahre Gassenhauer Whiskey in the Jar und Boys are back in Town sind paradoxerweise eine Mitursache dafür, dass Thin Lizzy bei einem breiteren Rock- / Hardrock- / Metal-Publikum nicht ganz oben stehen oder teilweise fast völlig unbekannt sind.

Obendrauf kommt wahrscheinlich die große stilistische Bandbreite der Band von braveren Balladen, konventionelleren Rock'n'Roll-Stücken über Folkrock, Funkrock und Bluesrock bis zu Metal-Songs. Wenn für jeden was dabei ist, kann daraus auch umgekehrt folgen, dass vieles von einigen nicht wahrgenommen wird.

Hier zwei typische Reaktionen auf ein und denselben Song, "Cold Sweat":

1. Metal-Fritze wundert sich, dass der Song doch recht heavy ist:

https://www.youtube.com/watch?v=A9421ttJ7d4


2. Musiker im Rush-T-Shirt kannte Thin Lizzy bis vor Kurzem überhaupt nicht und wundert sich, dass die Gitarre (hier: John Sykes) so gut ist (ab 2:48):

https://www.youtube.com/watch?v=1kXhAMaobDY&t=181s

Mit Gassenhauer hast Du recht. :-)
Aber schon damals konnte man die Qualität hören.
Auch wenn der Gassenhauer nur eine Interpretation eines Traditionals war.

im Bestand immerhin die Live And Dangerous.


Eine der stärksten Live-Alben überhaupt.

Etwas rätselhaft, wieso es die sehr starke Live-Version von "Opium Trail" (von der Struktur her deutlich komplexer als etwa "Cold Sweat") nicht auf "Live And Dangerous" geschafft hat.

"Opium Trail" Studio-Version:

https://www.youtube.com/watch?v=8n5RYRpXgFA


Live-Version, einfach nur geil:

https://www.youtube.com/watch?v=ueBw3J2FYl0

Eine unterschätzte Band und ein durchgeknallter Phil Lynott*, der sich viel zu früh aus dem Staub gemacht hat. :-(


Unter einigen bekannten Rock-Musikern sieht die Einschätzung übrigens ganz anders aus: Metallica, Anthrax, Foo Fighters, Motörhead, Megadeth, Mastodon, Henry Rollins, Iron Maiden - alle haben sie Thin-Lizzy-Covers gemacht.

Iron Maiden hat sich für das Eingangs-Riff von "Two Minutes to Midnight" übrigens etwas bei "Killer without a Cause" bedient:

"Killer without a Cause":

https://www.youtube.com/watch?v=-KM7evwV3m4


"Two Minutes to Midnight":

https://www.youtube.com/watch?v=2NRbycO0O_k

Klasse.
Dass die Kollegen das wahrnahmen, spricht für deren Qualität als Musiker


* Phil Lynott war genau genommen eher weniger durchgeknallt, sondern mehr polytoxikoman. Oder sagen wir es so: Für jemanden, der sich über längere Jahre regelmäßig in höheren Dosen unterschiedliche Suchtstoffe eingefahren hat, hat er sich als Musiker vergleichsweise professionell verhalten. Wobei sich die Anspielungen auf Opiate (Opium Trail) und Alkoholsucht ("Got to give it up") nicht allein auf Lynott, sondern mindestens auch auf den konstantesten Gitarristen der Band, Scott Gorham (von '74 bis zum Ende '83 dabei) bezogen haben, der laut eigener Aussage auch zu viel Zeit im entsprechenden Nebel verbracht hat - wenngleich er, anders als Lynott, die Kurve noch bekommen hat.

Für all die individuellen Ursachen einer jahrelangen Sucht gibt es imho Dispens.
Ob man es überlebt, ist eine Frage der „Todessehnsucht“.
Da hatte Lynott offensichtlich mehr Substanz als sein Gitarrist.


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